Talking Teaching: Fürsorgepädagogik und die Rolle der Lehrkräfte für das psychische Wohlbefinden der Lernenden

clock Última atualização Janeiro 2024

Einmal im Monat trifft sich unser Team von Lehrplanentwicklern zum „Talking Teaching“ – dies sind Sitzungen, in denen wir interessante Artikel, Methoden und Pädagogikansätze austauschen und diskutieren. Zur Eröffnung des neuen Unterrichtsjahres möchten wir einen Podcast vorstellen, der sich mit der Rolle der Pädagoginnen und Pädagogen bei der Förderung der psychischen Gesundheit von Lernenden befasst.

Der Podcast, den wir Ihnen in diesem Monat vorstellen möchten:

The Role of Faculty in Student Mental Health – Die Rolle der Lehrkräfte für die psychische Gesundheit von Lernenden* (Folge #373 des Podcasts Teaching in Higher Ed). Dieser Podcast kann kostenlos abgerufen werden.

Themenverwandte Ressourcen, die wir Ihnen in diesem Monat vorstellen möchten:

ACUE-Bericht: Schaffung einer Kultur der Fürsorge: Praktische Ansätze für Hochschullehrende zur Förderung des Wohlbefindens und der psychischen Gesundheit von Studierenden* – Diese kostenlose Ressource für Lehrkräfte enthält zahlreiche einfach umzusetzende Ideen und Vorlagen, um das Bewusstsein der Studierenden für die Ressourcen zur Förderung der psychischen Gesundheit auf Ihrem Campus zu schärfen und Ihre Interaktionen mit Studierenden zu unterstützen, die Bedenken hinsichtlich ihrer psychischen Gesundheit äußern. 


Report: The Role of Faculty in Student Mental Health – Bericht: Die Rolle der Lehrkräfte für die psychische Gesundheit von Lernenden* – Die Daten aus diesem Bericht werden in der Podcast-Diskussion besprochen.

 

* Originalbeitrag/verlinkter Text in englischer Sprache

 

In diesem Blog fassen wir den Podcast zusammen, indem wir die wichtigsten Trends und Statistiken zum psychischen Wohlbefinden von Lernenden vorstellen und einige praktische Tipps geben, wie Sie eine Kultur der Fürsorge in Ihr Unterrichtskonzept einbauen können.

Ernüchternde Statistiken

Laut der Healthy Minds*-Studie ist in den letzten fünf Jahren ein starker Anstieg der selbst berichteten Angst- und Depressionssymptome bei Studierenden zu verzeichnen. Wenig überraschend zeigen die jüngsten Daten, dass sich die psychische Gesundheit während der COVID-19-Pandemie weiter verschlechtert hat.

Fast die Hälfte der im Herbst 2020 befragten Studienpopulation (über 1700 Studierende, die einen Bachelor- oder Masterabschluss anstrebten) gab an, Symptome von Depressionen oder Ängsten zu haben.

Students on a college campus

Die psychische Gesundheit hat einen starken Einfluss auf die Lernleistungen: Über 80 % der Lernenden gaben an, dass sich ihre psychische Gesundheit negativ auf ihre Leistungen im Unterricht auswirkt.

Darüber hinaus deuten Langzeitdaten tendenziell darauf hin, dass Lernende mit Depressionen doppelt so häufig das Studium abbrechen wie Lernende, die keine depressiven Symptome aufweisen.

So wie sich die psychische Gesundheit auf die Leistung im Unterricht auswirkt, kann sich auch das, was im Unterricht geschieht, auf die psychische Gesundheit auswirken – sowohl positiv als auch negativ. Während der Pandemie gaben die Studierenden beispielsweise an, dass der wichtigste Faktor, der sich auf ihre psychische Gesundheit auswirkte, der akademische Bereich war – insbesondere die Unsicherheit in Bezug auf die Flexibilität der Unterrichtsrichtlinien für diejenigen, die mit ihrem eigenen psychischen Wohlbefinden zu kämpfen hatten. 

Erkenntnisse wie diese führten zur Erstellung des ACUE Report: Creating a Culture of Caring: Practical Approaches for College and University Faculty to Support Student Wellbeing and Mental Health – Schaffung einer Kultur der Fürsorge: Praktische Ansätze für Hochschullehrende zur Förderung des Wohlbefindens und der psychischen Gesundheit von Studierenden*. Dies ist ein ausgezeichnetes kostenloses Hilfsmittel, das Sie Ihren Kolleginnen und Kollegen als Leitfaden für Gespräche über das Wohlbefinden ihrer Lernenden und für die Einbindung von Fürsorgepädagogik in ihre Kurse zur Verfügung stellen können. 

Unterstützung von Pädagoginnen und Pädagogen bei der Unterstützung von Lernenden

Wenn uns das vergangene Jahr sonst nichts gelehrt hat, dann doch dies: dass Pädagoginnen und Pädagogen die Superhelden der wahren Welt sind. Sie übernehmen weit mehr Verantwortung als in ihrer Stellenbeschreibung angegeben, weil ihnen die Gesundheit und der Erfolg Ihrer Lernenden wirklich am Herzen liegen.

In einer Umfrage unter mehr als 1600 Lehrkräften an zwölf Colleges in den USA gaben 80 % der befragten Lehrkräfte an, dass sie in irgendeiner Weise an Gesprächen mit Lernenden über deren psychische Gesundheit beteiligt waren, und fast 75 % wünschten sich mehr Schulungen darüber, wie sie mit ihren Lernenden über psychische Probleme sprechen können.

Diese Statistiken sind ein Beweis für das unglaubliche Engagement der Lehrenden. Während diese Diskussion sich zwar in erster Linie auf die psychische Gesundheit von Lernenden konzentriert, wird doch auch eingeräumt, dass die Unterstützung des psychischen Wohlbefindens von Lehrkräften nicht näherungsweise ausreichend berücksichtigt wird. Pädagoginnen und Pädagogen haben während der Pandemie eine schwere Last geschultert, und wir brauchen einen grundsätzlichen Wandel, um sicherzustellen, dass sie über angemessene Ressourcen und Unterstützung verfügen, damit sie ihre Arbeitsbelastung bewältigen und Freude daran haben können. Je mehr wir die Pädagoginnen und Pädagogen unterstützen können, desto besser können sie ihrerseits die Lernenden unterstützen. Wenn Sie mehr zu diesem Thema lesen möchten, finden Sie auf dem Blog von EdSurge eine Reihe von Artikeln über die unzureichende Unterstützung von Pädagoginnen und Pädagogen mit Beiträgen zu den Themen zunehmende DemoralisierungBurnout* sowie Vorschlägen für eine Überarbeitung des Hochschulsystems*.

Auch wenn wir in diesem Artikel nicht auf Änderungen am System eingehen können, möchten wir doch einige der praktischen, an den Lernenden orientierten Empfehlungen vorstellen, die wir in dem Podcast besonders bemerkenswert fanden:

1. Versetzen Sie sich in die Lage der Lernenden

Zugänglichkeit war das, was die Lernenden an ihren Pädagoginnen und Pädagogen am meisten schätzten! Eröffnen Sie das Semester oder Schuljahr, indem Sie Ihre Lernenden mit etwas so Einfachem ansprechen wie: „Ich weiß, wie wichtig es mir in meiner Schulzeit/Studienzeit war, neue Leute kennenzulernen und mich auf Studiengruppen zu stützen, und es muss wirklich schwer sein, nicht dasselbe Maß an persönlicher Gemeinschaft zu haben.“ Wenn Sie sich damit wohlfühlen, können Sie auch von einer Zeit erzählen, in der Sie selber Unterstützung brauchten, um klarzustellen, dass es normal ist, um Hilfe zu bitten.

Alles, was die Botschaft vermittelt, dass wir alle Menschen sind und gemeinsame Erfahrungen mit Herausforderungen, Erfolgen, Höhen und Tiefen haben, kann das Wohlbefinden der Lernenden steigern. 

Weitere Möglichkeiten, wie Sie Ihren Lernenden signalisieren können, dass Sie ein offenes Ohr für sie haben, sind: 

  • Wenn Sie online unterrichten: sicherstellen, dass Sie ein Foto von sich mit einem kurzen Lebenslauf veröffentlicht haben.
  • Aktive Teilnahme an Diskussionsforen mit Lernenden.
  • Kontaktaufnahme per E-Mail mit Lernenden, die möglicherweise Schwierigkeiten haben.
A chalkboard sign hanging on a post. The sign says in white chalk "Welcome please come in".

 

2. Validieren, Wertschätzen, Weiterempfehlen: Validate-Appreciate-Refer – VAR

Wenn sich Lernende Ihnen gegenüber über ihre psychischen Probleme äußern, halten Sie sich an das Validate-Appreciate-Refer®- Modell* – Validieren, Wertschätzen, Weiterempfehlen. Es ist wichtig, daran zu denken, dass es in dem Gespräch um Ihre Lernenden geht. Selbst wenn Sie etwas Ähnliches erlebt haben, sollten Sie nicht mit Ihren eigenen Erfahrungen beginnen.

  • Erkennen Sie zunächst an, dass sie sich schwer tun, z. B. mit Sätzen wie „Das klingt wirklich schwierig“ oder „Das ergibt Sinn“.
  • Lassen Sie Ihre(n) Lernende(n) dann wissen, dass es gut war, dass er/sie sich mit seinen/ihren Problemen an Sie gewandt hat. Sagen Sie z. B.: „Danke, dass Sie mir das erzählt haben; das muss viel Mut gekostet haben.“
  • Weisen Sie Lernende schließlich auf relevante Ressourcen (professionelle und andere) hin, die ihr Wohlbefinden unterstützen können. 

3. Verweisen Sie Lernende auf Ressourcen für psychische Gesundheit auf dem Campus

Wenn Ihre Lehreinrichtung Sie über die verfügbaren Ressourcen informiert hat, können Sie diese Angaben in Ihren Lehrplan, Ihr Unterrichtsmanagementsystem oder Ihre E-Mail-Signatur aufnehmen. Auch dies vereinfacht den Zugang zu Hilfe.

Lernenden, die Probleme haben, hilft auch die Psychologische Beratung der Studentenwerke weiter.

 

4. Teilen Sie Ihre Unterrichtsrichtlinien bezüglich verspäteter Arbeiten, Verlängerungen oder abgebrochener Aufgaben klar und deutlich mit

Nehmen Sie sich die Zeit, den Lernenden schon zu Beginn des Semesters oder Schuljahres einen klaren Überblick über Ihre Unterrichtsrichtlinien und -verfahren zu geben, wie z. B. das Beantragen von Unterstützung oder Verlängerung. Offene Kommunikation über die Richtlinien klärt die Lernenden darüber auf, welche Verfahren es gibt (statt der pauschalen Aussage „Ich akzeptiere keine verspäteten Arbeiten“), verhindert, dass die Lernenden sich schämen, diese Verfahren in Anspruch zu nehmen, und ermutigt die Lernenden, proaktiver zu sein, wenn sie das Gefühl haben, dass sie zusätzliche Zeit für eine Aufgabe benötigen.

Eine Regelung, nach der die schlechteste Note gestrichen wird, kann auch für Lernende, die eine schwierige Zeit durchmachen, beruhigend sein. 

5. Achten Sie auf ungleiche Voraussetzungen

Im Durchschnitt suchen POC, LGBTQ-Lernende, Studierende der ersten Generation und sozial schwache Lernende seltener Hilfe. Sich dessen bewusst zu sein, ist der erste Schritt; wenn Ihre Einrichtung jedoch Schulungen zur kulturellen Kompetenz anbietet, ist die Teilnahme sehr empfehlenswert. Je besser wir unsere Lernenden und ihre Herausforderungen verstehen, desto besser können wir ihnen helfen.

Auch hier kann Klarheit über Ihre Unterrichts- und Auftragsrichtlinien und die verfügbaren Unterstützungsressourcen viel dazu beitragen, die Vorbehalte der Betroffenen gegenüber der Inanspruchnahme von Unterstützung zu verringern.

6. Legen Sie sinnvolle Abgabezeiten fest

Eine Abgabezeit von 9 Uhr morgens könnte Lernende dazu verleiten, die Nacht durchzumachen, während 21 Uhr dazu führen könnte, dass Lernende bis zum Abendessen arbeiten.

Um gesunde Schlaf- und Essgewohnheiten zu fördern, gilt 17 Uhr allgemein als eine der besten Zeiten für einen Abgabetermin. (Wenn Sie jedoch mehr Lernende mit Familie oder Vollzeitbeschäftigung außerhalb der Einrichtung haben, kann ein anderer Zeitpunkt angemessener sein.)

A chalkboard sign hanging on a post. The sign says in white chalk "Welcome please come in".

7. Gewähren Sie einen Vertrauensvorschuss

Ja, einige werden die 2020–2021 eingeführte zusätzliche akademische Flexibilität ausnutzen und haben dies wahrscheinlich auch schon getan, was dazu führen kann, dass man zögert, in diesem Jahr dasselbe Maß an Entgegenkommen zu bieten. Wir wissen jedoch selten, was die Lernenden außerhalb der Einrichtung durchmachen oder wie es um ihre psychische Gesundheit bestellt ist.

Wenn wir zu Beginn des Jahres unsere Richtlinien offen und klar formulieren und den Lernenden Glauben schenken, wenn sie zusätzliche Hilfe benötigen, wird dies den Lernenden zugutekommen, die diese Unterstützung wirklich brauchen. Und wenn Einzelpersonen diese immer wieder in Anspruch nehmen, ist dies eine gute Gelegenheit, sie an andere von Ihrer Einrichtung angebotene Unterstützungssysteme zu verweisen.

Es ist nicht überraschend, wenn Sie zwiespältig oder mit einer gewissen Anspannung auf das kommende Schuljahr oder Semester blicken. Wenn Sie Zeit haben, sollten Sie sich die Podcast-Episode in jedem Fall anhören! Es sind lohnende 50 Minuten.

Für mehr Informationen:

adi.to/nursing_de  
adi.to/Lt_de

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